
Photo: Anne Senstad

Photo: Erle Strøm
Portrait: The Jessica Fletchers
Mord ist das Hobby der richtigen Jessica Fletcher, nämlich der aus der US-Fernsehserie "Murder, She Wrote", die vor allem in den späten 80ern und Anfang der 90er populär war. Mrs Fletcher ist eine ältere Dame, sie schreibt Krimis und klärt zwischendurch ein paar Morde auf - ein Glück, dass sie immer zur rechten Zeit am richtigen Ort ist!Die fünf jungen Norweger von "The Jessica Fletchers" sind dazu eher der totale Gegensatz. Statt mit Toten beschäftigen sie sich mit dem Leben und irgendwie leben sie zur falschen Zeit. "Fuck the 80s and the bloody 70s. I wish it would be 1966 again" singt Thomas Innstø auf dem Debutalbum "What Happened To The?". Der melodiös-psychedelische Pop-Rock-Surfsound dieser Zeit ist auch das Markenzeichen der Band, die 1997 in Drammen, in der Nähe von Oslo, gegründet wird. Kurz darauf ziehen die selbsternannten Blumenkinder dann in die norwegische Hauptstadt um. Der Ortswechsel lohnt sich, denn 1999 werden sie von dem größten einheimischen Indie-Pop-Label "Perfect Pop Records" unter Vertrag genommen, wo sie dann die EP "Sorry about the noise!" veröffentlichen. Zu Hause avancieren sie schnell zum Geheimtipp, für den Rest der Welt spielen sie aber erst mal keine Rolle.
Das ändert sich, als sie zum New Yorker Indie "Rainbow Quartz" wechseln. Jetzt können "The Jessica Fletchers" durch ganz Europa touren und das machen sie ausgiebig. Parallel dazu wird "What Happened To The?" 2003 auch in Deutschland veröffentlicht, ebenso der Nachfolger "Less Sophistication", der hierzulande seit März 2005 in den Läden steht. Die Single "Summer Holiday & Me" entwickelt sich sogar zu einem kleinen Hit.
"Ich will die Leute einfach zum Tanzen bringen, das ist, was zählt. Sie sollen unbeschwert ein Bier trinken können, während sie einfach nur glücklich sind. Sie sollen unsere Musik hören können ohne Stress im Hinterkopf", sagt Thomas Innstø, der Sänger. "The Jessica Fletchers" verfolgen dieses hehre Ziel ohne dabei ihre künstlerische Identität zu verlieren. Der bunte Sound der "Swinging Sixties" wirkt mit Hammond Orgel, mehrstimmigem Hintergrundchor, ausgiebig zelebrierten "yeeaaaahhs" und "uuuuuhhs" absolut authentisch und überhaupt nicht peinlich. Langsame, psychedelische Parts wechseln sich mit schnellen Rocknummern ab, auch balladeske Teile fehlen nicht.
Die schrammelnden Orgelklänge mischt sich mit funkigen Gitarrenriffs und mysteriös verzerrtem Exoteninstrumentarium. Hier und da mal ein paar Bongos, eine Querflöte, ein Mellotron und schon steigt einem der Geruch von Freiheit in die Nase, es riecht nach Räucherstäbchen, Blumenwiese und VW-Bus ohne Kat.
Zaubern können sie, die Norweger und es macht richtig Spaß, ihnen dabei zuzuhören. Nie wird es aufdringlich, immer bleiben sie auf Augenhöhe. Klar, hier wird viel zusammengeklaut, man hört die Beatles, die Monkees, die Kinks, die Beach Boys - die Liste ist fast ewig fortführbar. Das Ergebnis aber ist die idealisierte Essenz von dem, was fünf Jungs Mitte 20 am Sound der 60er gefällt: viel Groove, viel Melodie und eine positive Grundstimmung. Obwohl der Titel das Gegenteil verspricht, klingt "Less Sophistication" im Vergleich zum Debüt etwas geschniegelter, was am Mitwirken von Produzent Steve Wold, der auch schon für "Modest Mouse" gearbeitet hat, liegen mag. Trotzdem sind "The Jessica Fletchers" mehr als "Just Another Fashion Band". Sie besitzen den kleinen Kick, der sie zu dem macht, wovon sie singen: der größten Party des Planeten.
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