Portrait: Michelle Cross
Mit Michelle Cross steigt seit einigen Jahren ein neuer Stern am internationalen Songwriter-Himmel auf, der bereits Tausende begeisterte Hörer gefunden hat. Der in Japan aufgewachsenen Amerikanerin gelingt es perfekt, subtile, leise Töne mit emotionalem starken Gesang zu verbinden und so mit jedem einzelnen ihrer selbstgeschriebenen Stücke eine kleine Geschichte nicht nur zu erzählen, sondern stimmlich darzustellen. Zu ihren Einflüssen zählen ähnlich starke Stimmen wie Tori Amos, PJ Harvey und Björk, neben denen sich Michelle Cross wohl in den nächsten Jahren einreihen wird. Besonders der Vergleich mit Tori Amos wird oft bemüht, kann aber nicht mehr als einen groben Eindruck dessen vermitteln, was den Hörer bei Michelle Cross erwartet. Beide sind stimmgewaltig, intensiv und eben - jede für sich - einzigartig. Doch macht dieser Vergleich deutlich: Die Musik von Michelle Cross ist alles andere als ‚easy listening'. Sie haucht keine elfengleichen Liebesschwüre ins Mikro, sondern lässt allen Emotionen, auch Wut und Frustration, freien Lauf. So hätte ihr erstes Demo-Album denn auch mit ‚My Name is not Cinderella' nicht treffender betitelt sein können:My name is not Cinderella,
And the sun don't reflect off my hands.
I'm pretty, but I'm plain and I prefer it that way.
Doch wer sich auf ihre Lieder einlässt, der kann erfahren, was eine Stimme und ein Piano erreichen können, und wird sich, wie so viele andere, in ihrer musikalischen Welt verlieren. Ihre sehr persönlichen Texte erzählen von den Höhen und Tiefen der Liebe und sie erfüllt sie mit ihrer markanten Stimme mit Leben, sodass der Text selbst an vielen Stellen nebensächlich wird. Hoffnung, Trauer, Wut, Einsamkeit - kein Gefühl bleibt unerwähnt, undurchlebt. Dabei unterstützt sie ihr ähnlich vielseitiges Klavierspiel, das mehr als zweite Stimme als zur Untermalung dient.
Ihre Karriere begann in den Kaffeehäusern und Clubs in den Vororten von Chicago, wo sie sowohl solo als auch als Sängerin in einer Band auftrat und zunehmend bekannter wurde. Als sie ihren späteren Produzenten Matthew Prock kennen lernte, war diesem sofort klar, dass Cross eine große Karriere vor sich hat: "I remember my friend looked at me and said, 'That's one of the most beautiful songs I've ever heard'. That's what Michelle's music tends to do to me as well. I know that other people react that way, [they] just kind of loose themselves in her songs." Prock drängte Michelle, ihre Solokarriere voranzutreiben, stellte für sie eine Band mit verschiedenen Musikern zusammen, die das Klavierspiel der Sängerin unterstreichen sollten und so kam 1999 das Debutalbum 'My Name is not Cinderella' auf den Markt, das kurz darauf von rollingstone.com und garageband.com ausgezeichnet wurde.
Ihr bisher letztes Album 'Smoke like Perfume' zeigt eine deutlich reifere und differenzierte Michelle Cross, die aber dennoch ihre Ecken und Kanten nicht verloren hat - im Gegenteil scheint sie nun ihren ganz eigenen Stil perfektioniert zu haben. Traurig-melancholische Songs mit stillen Tönen (‚Her lovely Name') wechseln sich ab mit kraftvollen Melodien und herzerreißend schönem Gesang (‚Big Fish'). Gerade Cross' Vielseitigkeit und ihre Weigerung, sich gängigen Normen anzupassen oder sich in eine Schublade einzuordnen, gehören zu den Eigenschaften, die sie aus der Masse der hübschen, amerikanischen Sängerinnen herausstechen lassen. So bleibt zu hoffen, dass sie diese Einzigartigkeit und die Liebe zum Songwriting auch in Zukunft nicht verlieren wird. Auf die Frage, ob sie auch in Zukunft so leidenschaftlich und ehrgeizig ihre Musik weiterentwickeln will, antwortet sie: "Oh absolutely, absolutely, because I love doing it. I love it."
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