

Portrait: D-Sailors
D-Sailors: das steht für bodenständigen Melodic Punk aus deutschen Landen und verspricht Unterhaltung vom Feinsten für jeden Musikliebhaber, der sich mit 3 Akkorden pudelwohl und bestens versorgt fühlt. Schnelle melodiöse Punkrocksongs mit eingängigen Riffs und starkem, teils mehrstimmigem Gesang im skandinavisch-kalifornischen Stil sind ihre Stärke und Leidenschaft, die sie sich auch in Zeiten von Emo und der Wiederentdeckung des Rock n’ Roll nicht madig machen lassen. So klingen dieD-Sailors 2006 noch wie in den frühen Neunzigern und werden sich wohl auch in Zukunft kein ‚The’ vor den Namen schreiben.
Aufgelockert werden die rasanten Punkrockbrecher der D-Sailors wie im Genre üblich, durch Ska- und Metalelemente, jedoch ohne aufgesetzt oder gezwungen zu wirken. Die sparsam, dafür aber umso wirkungsvoller eingesetzten Saxophonpassagen lockern den Sound der D-Sailors auf und setzen auf jedem Album besondere Akzente. Zwar sind die Einflüsse von Bands wie Pennywise oder Millencolin eindeutig herauszuhören, dennoch haben es die D-Sailors geschafft über die Jahre einen ganz eigenen Stil zu entwickeln, mit dem sie sich nicht hinter den Großen des Genres verstecken müssen.
Thema ihrer englischsprachigen Texte sind im Gegensatz zu vielen Deutschpunkbands nicht politische, sondern meist gesellschaftliche Mißstände ("The devil is our own society".). Ganz besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Schattenseiten der Massenmedien (1000’s stories, My Guitar), dem traurigen Zustand der deutschen Popkultur (No Tomorrow) und den Auswüchsen der aktuellen Fernsehlandschaft (Dedicated to the Soapstars). Daneben werden auch persönliche Themen wie Beziehungen oder der Bandalltag aufgegriffen. Trotz dieser skeptischen und teilweise ernsten Töne soll ihre Musik aber vor allem eins: Spaß machen, gute Laune verbreiten und direkt in die Beine gehen. Und durch unzählige Tests am Livepublikum wissen die D-Sailors ganz genau, wie sie dieses Ziel erreichen.
Die Erfolgsgeschichte des Jülicher Quartetts beginnt 1993 mit der Gründung der Drunken Sailors, die jedoch nach zwei Tapes mit der Veröffentlichung der ersten CD 1996 kurzerhand in D-Sailors abgekürzt werden. Die Gründungsmitglieder Uli Breitbach, Ingmar Krause, Uli Grossmann und Marco Böddecker legen von Anfang an den Schwerpunkt auf ihre Livequalitäten: "Als erstes wollen wir natürlich den Leuten, die Eintritt bezahlen und uns sehen wollen, eine gute Show bieten [...]. Ich meine, jeder kann heutzutage ´ne gute Platte aufnehmen, aber du musst es halt auch rüber bringen. Ich will einfach, dass die Leute nach dem Konzert nach Hause gehen und sich sagen: Heute habe ich eine geile Band gesehen!" (Interview im Ox Fanzine).
1998 erscheint das Debüt-Album A New Project, das den Bekanntheitsgrad der Band stetig wachsen lässt und ihnen Konzerte als Support von den Mighty Mighty Bosstones, der Terrorgruppe, Rantanplan und den UK Subs ermöglicht. Nach einer Auszeit, bedingt durch einen Auslandsaufenthalt des Sängers Uli Breitbach, erobern die D-Sailors durch zwei Split-CD’s, einmal mit den brasilianischen Punkrockern Nitrominds, später mit Freygolo aus Frankreich, neue Märkte. Auftritte in ganz Europa und ein erfolgreiche Brasilientournee folgen.
Der Gesundheitszustand des Schlagzeugers Marco Böddecker verschlechtert sich aufgrund einer ernsten Erkrankung zusehends, sodass er bereits an der Brasilientour nicht mehr teilnehmen kann. Im März 2004 sitzt Marco dann zum letzten Mal bei einem Konzert am Schlagzeug. Neuer Schlagzeuger wird Matthias ‚Matthi’ Brus, der vorher bei Bibibox gespielt hatte.
Vier Jahre nach dem letzten Studioalbum veröffentlichen die D-Sailors Mitte 2004 schließlich Lies and Hoes in Deutschland und Brasilien. Durch die umfangreichen Live-Erfahrungen und die inspirierenden Kooperationen klingt dieses Album deutlich klarer und strukturierter als die Vorgänger und zeigt sich im abgesteckten Rahmen als vielseitiges Machwerk, sowohl musikalisch als auch inhaltlich. Die Platte bietet 14 straighte Punkrocksongs, wie bereits auf den Vorgängeralben aufgelockert durch einige Ska- und Metaleinflüsse, Samples und langsame Passagen.
Auch 2006 geben die D-Sailors wieder Gas: ihr neues Album soll voraussichtlich im Herbst erscheinen. Auf dieser Platte werden wohl deutlich ernstere Töne zu hören sein, unter anderem ein Song für den 2005 verstorbenen Freund und Bandkollegen Marco. Ab Mai sind die D-Sailors dann wieder live zu sehen und zu hören. Wahrscheinlich wird auch das nächste Album den Punk nicht neu erfinden, sicher ist aber, dass diese Scheibe wieder eine geballte Ladung Songs zum Mitsingen, Mitpogen und Mitdenken bieten wird. Den Traum vom großen Durchbruch haben die Jungs aus Jülich trotzdem noch nicht begraben und ihre gut besuchten Konzerte und der Erfolg von Bands wie den Beatsteaks zeigen, das schneller, melodiöser Punkrock in Deutschland noch immer gefragt ist.
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