Adam Green
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Portrait: Adam Green

"Er ist die Antwort unserer Tage auf Bob Dylan" schreibt der Rolling Stone, die Spex bezeichnet ihn als den "Lieblingssänger aller klugen jungen Menschen". Er ist der Urenkel von Franz Kafkas einstiger Dauerverlobten Felice Bauer und vor allem in Deutschland ein Superstar der Indiemusik: Adam Green. Der 24-Jährige kultiviert das Bild des unausgeschlafenen Genies mit zerzaustem Haar und halb offenem Mund. Im Fernsehen mimt er den zerbrechlichen, ja ängstlichen Typen, der nur für seine Musik lebt und sich irgendwie durchs Leben träumt. Adam Green ist vor allem ein Songschreiber.

Er stammt aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn und schreibt bereits mit 13 Jahren seine ersten Lieder. Ein paar Jahre später gründet er dann eine Band, zusammen mit der acht Jahre älteren Kimya Dawson und vier weiteren Musikern. Das erste Album der "Moldy Peaches" erscheint im Jahr 2001.

Zu dieser Zeit ist New York die Stadt des Anti-Folk. In Open-Mic Sessions tragen hier die unterschiedlichsten Musiker rebellische Songs vor, verpackt in traditionellen Folk-Sound. Adam und Kimya gehören zu den Gründern dieser Szene, sie tragen die Musik nach draußen. Bereits nach der ersten Platte machen die "Moldy Peaches" eine Pause, ihre Mitglieder widmen sich eigenen Projekten.

Adam Green und Kimya Dawson nehmen Soloalben auf, für Adam ist das der Beginn einer schwindelerregenden Karriere. Sein Geheimrezept: Eine groteske Mischung aus in naiver Scheinheiligkeit vorgetragenen Schweinereien und klassisch-schöner Countrymusik. Seine erste Platte "Adam Green", die er schon zu Moldy Peaches Zeiten aufgenommen hatte, verbucht 2002 beachtliche Erfolge.


Ein Jahr später hat er mit dem Nachfolger "Friends of Mine" jedoch entgültig den Absprung aus der Open-Mic Tradition der New Yorker Antifolk Szene geschafft. 2005 erscheint dann "Gemstones", die dritte Platte von Adam Green, die es in Deutschland auf Anhieb in die Top Ten schafft. Knapp 30 Minuten dauert die musikalische Reise durch Greens Gedankenwelt, im Durchschnitt sind die Stücke zwei Minuten lang. Die Streicher fehlen diesmal komplett, dafür widmet sich der New Yorker jetzt verstärkt der Orgel und dem Piano, denn die meisten der Stücke sind unterwegs entstanden. Der Musik schadet das nicht, denn Greens Lyrics stehen so eben noch mehr im Vordergrund.

Singend gibt er seine oft perversen Phantasien zum Besten und steigert sich zu mehr oder weniger stark obszönen Pointen - in den USA reicht das, um vom Radio schlichtweg ignoriert zu werden. Ein schönes Beispiel für die abgefahrenen Kompositionen des Adam Green ist das Stück "Choke on a Cock". In der Strophe erzählt er, dass er gerne Mal die Hand von Präsident Bush schütteln würde und im Refrain besingt er die Gefahren des Erstickungstodes beim Oralsex.

Adam Greens Musik gleicht einem Spiel mit Gegensätzen. Kein Rhythmus bleibt lange bestehen, es gibt irre Tempowechsel, ständiger Stilbruch ist Programm, nicht nur bei den Texten. Blues, Folk, Country, Boogie, das alles gibt’s auf der Platte. Die Texte sind meist witzig und gepaart mit Adam Greens inszenierter Kindlichkeit entfalten sie eine ungeahnte Kraft. Auch die Musik kann das Niveau halten, der Stilmix funktioniert fast immer und wirkt geradezu postmodern. Ironie und Gegensätze, Harmonie und Verbotenes – die Mischung geht auf. Vor allem aber kann Adam Green singen. Seine Stimme passt wunderbar zu den folkigen Klängen und macht die Verwirrung perfekt: Wieso singt der nette junge Mann nur so böse Dinge?

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